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Iran-Krieg treibt Gaspreise – Drohen jetzt auch höhere Strompreise?

Der Iran-Konflikt treibt die Gaspreise in Europa um mehr als 30 Prozent nach oben. Sollte die Krise länger dauern, könnten auch die Strompreise steigen. Seit Beginn des Konflikts kletterte der Gaspreis an der europäischen Energiebörse auf rund 56 Euro je Megawattstunde – den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr. Zuletzt lag der Preis bei 49 Euro – mehr als 35 Prozent über dem Niveau vor Beginn der Eskalation (Jan & Feb 2026: Ø 36 €/MWh.)

Die Entwicklung weckt Erinnerungen an den Beginn des Ukraine-Kriegs 2022. Damals schoss der Gaspreis bereits im ersten Monat auf mehr als 220 Euro je Megawattstunde. In der Folge erreichten auch die Strompreise an der europäischen Strombörse historische Höchststände von 488 Euro je Megawattstunde.

Datum: 06. März 2026 | Linda Marie Holm

Chart: Entwicklung der Preise (Erdgas und Strom) an der Energiebörse EEX

Druck auf Europas Gasmarkt: LNG-Stopp aus Katar treibt Preise

Auslöser des aktuellen Preisschubs ist die iranische Blockade der Straße von Hormus, einer zentralen Route für den globalen LNG-Handel. Rund ein Fünftel der weltweiten Flüssiggaslieferungen passiert die Meerenge. Wie die Tagesschau berichtet, hat Katar seine Gasexporte vorübergehend gestoppt und die LNG-Produktion vollständig heruntergefahren. Insidern zufolge dürfte es mindestens 4 Wochen dauern, bis die Anlagen wieder normal laufen. Das verknappt das Angebot auf dem Weltmarkt zusätzlich.

Kunden in Asien suchen bereits nach Alternativen für ausfallende Lieferungen aus Katar – ein Wettbewerb um verfügbare LNG-Mengen, der auch die Preise in Europa steigen lässt. Sollte die Unterbrechung der Transporte länger anhalten, halten Analysten der ING Gaspreise von 80 bis 100 Euro je Megawattstunde für möglich. Goldman Sachs erwartet bei einem einmonatigen Ausfall einen TTF-Preis von rund 74 Euro je Megawattstunde bis Ende März.

Merit Order: Warum steigende Gaspreise oft auch den Strompreis erhöhen

Steigende Gaspreise können sich direkt auf die Strompreise in Europa auswirken. Der Grund ist das sogenannte Merit-Order-Prinzip, nach dem der Strompreis an den europäischen Strombörsen gebildet wird. Kraftwerke werden dabei nach ihren Produktionskosten eingesetzt: Zuerst liefern günstige Erzeuger wie Windkraft, Solarenergie oder Wasserkraft Strom, erst danach kommen teurere Kraftwerke zum Einsatz.

Den Strompreis bestimmt am Ende jedoch das teuerste Kraftwerk, das noch benötigt wird, um die Nachfrage zu decken. Häufig sind das Gaskraftwerke. Steigen die Gaspreise, erhöhen sich auch die Produktionskosten dieser Anlagen – und damit der Börsenstrompreis für alle Stromanbieter. Selbst Strom aus Wind- oder Solaranlagen wird dann zu diesem höheren Marktpreis gehandelt.

Wie stark dieser Effekt sein kann, zeigte bereits die Energiekrise nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022. Damals schossen die Gaspreise im ersten Monat des Krieges bereits auf 220 Euro je Megawattstunde. In der Folge stiegen auch die Strompreise an der Börse auf Rekordwerte von 488 Euro je Megawattstunde.

Sollten die Gaspreise durch den aktuellen Konflikt im Nahen Osten weiter steigen, könnte dieser Mechanismus erneut Druck auf die Strompreise in Europa ausüben.

→ Hintergrund: Mehr zur Strompreisentwicklung in Deutschland


Was steigende Gaspreise für Stromkunden bedeuten

Für Verbraucher zeigen sich die Veränderungen am Gas- & Strommarkt der Energiebörsen unterschiedlich schnell. Kunden mit dynamischen oder flexiblen Stromtarifen spüren steigende Börsenpreise meist unmittelbar. Haushalte mit langfristigen Festpreisverträgen bemerken die Entwicklung dagegen oft erst zeitverzögert, etwa wenn die Preisgarantie der aktuellen Tarife ausläuft. (Kunden, die jetzt den Anbieter wechseln, sollten eine lange Preisgarantie in Betracht ziehen.)

Entscheidend bleibt daher die Dauer der aktuellen Kriegshandlungen. Sollte der Ausfall katarischer LNG-Lieferungen rund vier Wochen anhalten, könnte sich die Angebotslücke zunächst vor allem in höheren Gas- und Großhandelspreisen niederschlagen. Eine länger anhaltende Eskalation würde dagegen auch den Strommarkt deutlich stärker unter Druck setzen und Kunden mit Festpreistarifen treffen.


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